Montag, 29. Februar 2016

Bischofskonferenzen Ungarns und Polens unterstützen Rechtspopulismus kritiklos

Hans Schelkshorn
Religion.orf.at, 23.2.2016
Zensur: Bischofskonferenzen üben Druck aus

Die Bischofskonferenzen von Ungarn und Polen haben ein katholisches Webportal veranlasst, regierungs- und kirchenkritische Artikel zu löschen. Die katholisch-theologische Fakultät Wien stellte sich hinter den Autor des Ungarn-Artikels.

Auf Druck ungarischer Bischöfe wurde ein Beitrag von Hans Schelkshorn, der in Wien an der katholisch-theologischen Fakultät Philosophie lehrt, wenige Tage nach Veröffentlichung von der Homepage der Bischofskonferenzen der EU gelöscht. In einem Statement äußerte die Leitung der katholisch-theologischen Fakultät Wien Bedenken gegen diesen Vorgang. „Falls katholische Bischöfe in Europa der Politik der ‚völkischen Ideologie‘ der Neuen Rechten tatsächlich Rückendeckung geben sollten, würden sie dadurch den universalen Charakter der katholischen Kirche verraten. Dies aber wäre nicht hinzunehmen“, so die katholisch-theologische Fakultät.

Kritik an Kirchen-Unterstützung für Orban

Das monatlich erscheinende Magazin der Bischofskonferenzen der EU (COMECE) und des Jesuit European Office (JSC), EuropeInfos, hatte Anfang Februar einen Artikel von Schelkshorn veröffentlicht, in dem dieser unter anderem ungarische Bischöfe kritisierte, die nationalistische Politik von Ungarns rechtspopulistischem Regierungschef Viktor Orbans in Bezug auf die Flüchtlinge weithin kritiklos zu unterstützen. Das Magazin führt den Untertitel „Die EU aus christlicher Perspektive“. „Ihr Auftrag ist es, Informationen über Themen der EU-Politik zu vermitteln, die von unmittelbarem Interesse für die Kirche sind, und diese Themen unter dem Blickwinkel der katholische Soziallehre zu beleuchten“, heißt es auf der Website zu deren Bestimmungen.

Unter dem Titel „Die Ideologie der neuen Rechten in Ungarn“ spricht Schelkshorn die problematische Verquickung von ungarischer Kirche und Politik an. Ohne Angaben von Gründen verlangte die Bischofskonferenz Ungarns die Löschung des Beitrags. Dieser Artikel war die gekürzte Fassung eines im September 2015 in der „Frankfurter Rundschau“ erschienenen Beitrags über die Bedrohung der Demokratie durch Neorechte.
Idee der Menschenrechte ausgehöhlt

Die Regierung Orban folgt nach Schelkshorn der rechtspopulistischen Ideologie, die Menschenrechte durch ein völkisches Prinzip, in diesem Fall die Idee einer „christlichen Nation“, aushöhlt. Statt eine öffentliche Diskussion über das nationale Selbstverständnis rechtsstaatlich zu sichern, würden neorechte Parteien Schelkshorns Artikel zufolge immer vorgeben, zu wissen, was „der“ Wille „des“ Volkes sei. Ohne christliche Skrupel werde daher in Ungarn von politischer Seite offen gesagt: „Wir wollen nicht mit Muslimen zusammenleben“, kritisiert Schelkshorn.

Und genau dieses System werde auch von römisch-katholischen Geistlichen des Landes unterstützt. In Gottesdiensten werde mancherorts zum Beispiel öffentlich zum Gebet für Orban aufgerufen, so Schelkshorn. Teile der reformierten Kirche, der Orban angehört, sympathisierten selbst mit der rechtsextremen Jobbik-Partei. Nur die Lutherische Kirche bleibe auf Distanz zur Politik.
Bereits vorher Beitrag gelöscht

Die Löschung des Beitrags von Schelkshorn war bereits die zweite derartige Intervention einer Bischofskonferenz. Wenige Tage zuvor wurde auf Betreiben der polnischen Bischofskonferenz ein regierungskritischer Beitrag des Vorsitzenden des katholischen Verlags Znak in Polen, Henryk Wozniakowski, ebenfalls von der Website EuropeInfos gelöscht.

Laut Kathpress drückte Wozniakowski in dem Artikel Besorgnis über die polnische Regierungspartei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) aus, die im Oktober vergangenen Jahres an die Macht gekommen war. Er äußerte den Verdacht, die PiS versuche, die Macht zu zentralisieren, sie von Verfassungsgarantien zu lösen und die Kontrolle über alle öffentlich-rechtlichen Medien zu erlangen. Der Vorsitzende der PiS, Jaroslaw Aleksander Kaczynski, scheine ein „treuer Jünger“ des Staatsrechtlers Carl Schmitt (1888 -1985) zu sein, einem „Verfechter des politischen Dezisionismus, der den individuellen Willen der politischen Autorität über das Gesetz stellt“, schrieb Wozniakowski.

Chefredakteur: Dialog abgewürgt

EuroInfos bedauert, dass nun einige dieser Artikel „für beträchtliche Aufregung in bestimmten Kreisen gesorgt“ und Teile der Leserschaft Anstoß an darin geäußerten Ansichten genommen haben. Schließlich stellt es doch in seinen Leitlinien klar: „Durch ihre Artikel vermittelt EuropeInfos eine unabhängige Analyse von Entscheidungen der EU-Institutionen und übt wenn nötig auch Kritik. In gleicher Weise nimmt sich EuropeInfos die Freiheit, Entscheidungen von Mitgliedsstaaten zu kritisieren, die grundlegende Werte Europas in Frage stellen“. Das Portal besteht seit 20 Jahren.

Martin Maier, einer der Chefredakteure, sagte gegenüber der deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA dazu: „Wenn Artikel zurückgezogen werden müssen, dann wird Dialog abgewürgt - und das halte ich für problematisch.“


Aufregung um katholisches EU-Magazin "EuropeInfos"
Wien-Brüssel, 24.02.2016 (KAP) Aufregung gibt es um "EuropeInfos", das in Brüssel erscheinende monatliche Online-Magazin der Kommission der katholischen EU-Bischofskonferenzen (ComECE). Auf Druck der beiden nationalen Bischofskonferenzen mussten die Verantwortlichen zuletzt zwei Artikel zur Lage in Polen und in Ungarn wieder von der Website nehmen. Im ersten wurde die Warschauer Regierungspartei "Recht und Gerechtigkeit" (PiS) kritisiert, im zweiten setzte sich der Wiener Philosoph und Theologe Hans Schelkshorn kritisch mit der Ideologie der Regierung von Viktor Orban auseinander. Die Dekanin der Katholisch-Theologischen Fakultät in Wien, Sigrid Müller, spricht im Zusammenhang mit der Löschung des Schelkshorn-Textes nun von Zensur.
Kathpress, 24.2.2016



Neorechte bedroht die Demokratie
Von Hans Schelkshorn
In der aktuellen Flüchtlingsfrage agiert das Regime Viktor Orbans in Ungarn als Speerspitze eines christlichen Autoritarismus. Er hat die Bewahrung des Volkskörpers zur Aufgabe des Staates erhoben - und eint das neorechte Spektrum.

In zahlreichen Staaten Europas bestimmen seit vielen Jahren „rechtspopulistische“ Parteien die Politik gegenüber Asylsuchenden. Nach dem Tod von Jörg Haider und der Absetzung von Silvio Berlusconi ist heute Viktor Orban zur Leitfigur der Neuen Rechten aufgerückt. So diffus und zerstritten das Spektrum neorechter Parteien ist, so stehen sie doch auf einem gemeinsamen ideologischen Fundament.

Im Gegensatz zu den faschistischen Bewegungen des frühen 20. Jahrhunderts verfolgen neorechte Parteien nicht mehr das Ziel einer gewaltsamen Abschaffung, sondern einer inneren „Transformation“ liberaler Demokratie durch eine ethnische Fundierung des Politischen. Darüber hinaus wird die faschistische Unterscheidung von „Herrenrasse“ und „Untermenschen“ durch das Prinzip der friedlichen Koexistenz zwischen unterschiedlichen Ethnien ersetzt. Die Ideologie des sogenannten „Ethnopluralismus“ affirmiert zwar die Idee der Menschenrechte, höhlt jedoch deren universalistische Substanz durch einen völkisch verstandenen Begriff der „Nation“ aus.

In diesem Sinn forderte die FPÖ unter Jörg Haider zwischenzeitlich in ihrem Parteiprogramm, die Menschenrechte um ein „Recht auf Heimat“ zu erweitern, das den „Schutz des Bestandes sowie der kulturellen Identitäten der angestammten (autochthonen) Volksgruppen“ Österreichs garantieren soll. Der Schutz der „Heimat“ ist jedoch kein Menschenrecht, das vom Staat eingeklagt werden kann. Denn der Sinn von „Heimat“ oder „kultureller Identität“ wird in einer liberalen Demokratie in öffentlichen Debatten auf der Grundlage der Meinungs- und Versammlungsfreiheit je neu ausgehandelt.
Weiterlesen in der Frankfurter Rundschau >>


Eine unheilige Allianz von katholischer Kirche und FPÖ?
Eine Antwort auf Dompfarrer Toni Faber - Von Hans Schelkshorn
Der Wahlsieg der FPÖ bei den Wiener Gemeinderatswahlen hat auch in christlichen Kreisen, die sich seit vielen Jahren um Integration, eine humane Asylpolitik und sozialen Ausgleich engagieren, einen tiefen Schock ausgelöst. Vor diesem Hintergrund können die jüngsten Äußerungen des Wiener Dompfarrers, in der die Politik und Ideologie der FPÖ in provozierender Weise verharmlost und in naiver Offenheit für eine Koalition zwischen SPÖ und FPÖ geworben wird, nicht unwidersprochen bleiben. Den Ausländerwahlkampf der FPÖ als „Getöse“ abzutun und Strache als Kämpfer für die christliche Sache zu stilisieren, ist für säkulare Bürger und für demokratisch gesinnte Christen gleichermaßen ein Schlag ins Gesicht.
Weiterlesen in Der Standard vom 15.10.2010 >>

Freitag, 26. Februar 2016

Die Konsensehe als die große Revolution im Christentum

Liebe und Sexualität im Christentum
"Die Konsensehe ist die große Revolution"
Arnold Angenendt ist einer der wichtigsten deutschen Kirchenhistoriker. Er ist 1934 geboren am Niederrhein. Er ist Priester, lebt also zölibatär – und hat ein Buch geschrieben über "Ehe, Liebe und Sexualität im Christentum". Ein heikles Thema – auch vor dem Hintergrund, dass Papst Franziskus noch entscheiden muss: Wie geht es weiter mit katholischer Sexualmoral?
Arnold Angenendt im Gespräch mit Andreas Main auf Deutschlandfunk.de >>



Arnold Angenendt
"Ehe, Liebe, Sexualität im Christentum – Von den Anfängen bis heute"
Die heutige Vorstellung von partnerschaftlicher und ‚romantischer‘ Liebe ist historisch ein Spätprodukt. Der mit Antike und Bibel einsetzende Überblick zeigt, daß die Geschichte der praktizierten Sexualität durchaus von Liebe zeugt, aber zugleich voller Zwänge und Grausamkeiten ist. Das Christentum sah sich seit seiner Entstehung praktisch wie reflexiv herausgefordert. Es prägte gleichermaßen die Vorstellung von gleichberechtigter Partnerschaft wie auch von Lustfeindlichkeit. Inzwischen werden die kirchlichen Aussagen zur Sexualität breit kritisiert oder gänzlich zurückgewiesen. Das vorliegende Buch stellt alle kontroversen Aspekte um Ehe, Liebe und Sexualität aus historischer Perspektive dar – mit teilweise verblüffenden Einblicken: Die heute zum Weltexportartikel gewordene romantische Liebe ist ohne Christentum nicht denkbar.
Aschendorff-Buchverlag >>

Rezension auf Christ in der Gegenwart >>

Mittwoch, 24. Februar 2016

Burnout bei Pfarrern


Wenn der Hirte den Weg verliert
Burnout bei Pfarrern

Er steht am Altar, traut Paare, begleitet Verstorbene auf ihrem letzten Weg. Das alles verbinden viele mit Pfarrern. Aber Haushaltspläne machen, Baustellenmanagement und Abrechnungen? Genau – auch das gehört zur Jobbeschreibung und kostet jede Menge Zeit und Kraft. Und weil es immer weniger Priester gibt, müssen die, die da sind, immer mehr Arbeit übernehmen. Berufswunsch Pfarrer – Berufswirklichkeit Manager – so erleben es viele. Enorm viel Stress und Druck also – und der kann auf Dauer zum Beispiel zum Burnout führen. Doch was bedeutet das eigentlich: ausgebrannt zu sein?
Lisa Maria Schulte >>

Hintergrund

Pfarrer steht am Sonntagmorgen vor leeren Bänken
Stell dir vor, es ist Gottesdienst am Sonntag und keiner geht hin. Für den evangelischen Pfarrer Horst Rockel aus dem hessischen Biebertal-Königsberg ist dieser Alptraum Wirklichkeit geworden. "Es war ein merkwürdiges Gefühl, um 9.30 Uhr im Talar vor völlig leeren Bänken zu stehen", sagte Rockel am Montag dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Wenn ich nicht um 11 Uhr in der Nachbargemeinde Fellingshausen hätte predigen müssen, wäre die Situation noch frustrierender gewesen."
Weiterlesen auf epd.de >>


Katholischer Priester rechnet mit Event-Christen ab
Zu Taufe und Hochzeit sind die Kirchen voll - doch ansonsten herrscht oft gähnende Leere. Diese Eventkultur will Priester Thomas Frings von der Heilig-Kreuz Pfarrgemeinde in Münster nicht mehr mitmachen. Und findet für viele Eltern klare Worte.
Die Welt >>

Montag, 22. Februar 2016

Strukturelle Unbarmherzigkeit in der Kirche

Anton Kolb setzt sich in den „Gedanken“  Nr. 172  kritisch mit dem Begriff der Barmherzigkeit auseinander, welcher Papst Franziskus ein Jahr besonders gewidmet hat. Kolb registriert dabei  in der Kirche manche „strukturelle Unbarmherzigkeit“.






Em. O. Univ.-Prof. Dr. Anton Kolb

Freitag, 19. Februar 2016

Fliegende Pressekonferenz des Papstes nach Mexiko-Reise

Fliegende Pressekonferenz: Migranten, Missbrauch, Donald Trump

Wiederverheiratete Geschiedene, Donald Trumps Bemerkungen über Papst Franziskus, pädophile Täter, Russland und die Ukraine – all diese konfliktreichen Themen fanden sich in der Pressekonferenz wieder, die Papst Franziskus während des Rückfluges aus Mexiko für die mitreisenden Journalisten hab. Hier eine ausführliche Zusammenfassung von Radio Vatikan.

Donald Trump

Auf mexikanischer Seite der Grenze habe der Papst über Flüchtlinge gesprochen, während auf der anderen Seite des Zaunes – also in den USA – eine heftige Wahlkampagne laufe, setzte ein Journalist an. Und er zitierte in seiner Frage den republikanischen Präsidentschaftsbewerber Donald Trump, der dem Papst vorgeworfen hat, für die Politiker und die Regierung Mexikos zu sprechen. Trump selber wolle 2.500 Kilometer Zaun bauen und elf Millionen Immigranten ausweisen. Kann ein Katholik in den USA so jemanden wählen?, lautete die Frage.

Ob er nur ein Spielball der Politik sei, dieses Urteil überlasse er gerne anderen, antwortete Papst Franziskus. „Ein Mensch, der nur daran denkt, Mauern zu bauen und nicht Brücken, der ist nicht christlich. Das ist nicht das Evangelium“, ging der Papst auf den zweiten Teil der Frage ein. Zur Frage, ob man so jemanden wählen könne, wollte er sich nicht direkt äußern. „Ich sage nur: Dieser Mensch ist kein Christ, wenn er das so sagt. Man muss aber sehen, ob er das wirklich so gesagt hat, nicht wahr?“

Pädophilie und Marcial Maciel

Viel Schmerz habe in Mexiko die sexuelle Gewalt gegen Kinder verursacht, sagte ein weiterer Journalist und ging auf den Fall Marcial Maciel Degollado ein, also auf den Gründer der „Legionäre Christi“, der Mexikaner war. Die Opfer fühlten sich immer noch nicht von der Kirche geschützt; ob er daran gedacht habe, diese Menschen zu treffen, wollte der Journalist wissen. Und als Anschlussfrage: Wie er darüber denke, dass Priester, die zu Tätern geworden seien, von ihren Vorgesetzten oft einfach nur in eine andere Pfarrei versetzt worden seien.

„Ein Bischof, der einen Priester aus einer Pfarrei versetzt, wenn dieser als Pädophiler bekannt ist, handelt verantwortungslos, und das Beste, was er tun kann, ist seinen Rücktritt einzureichen!“ Klare Worte des Papstes. „Ist das klar genug? Und was den Fall Maciel angeht: Hier erlaube ich mir den Mann zu loben, der in Zeiten, in denen er nicht die Kraft hatte, sich durchzusetzen, gekämpft hat, obgleich er sich nicht sofort hat durchsetzen können: Kardinal Ratzinger“ [der Papst bittet um Applaus]. Als Präfekt der Glaubenskongregation habe dieser alle Informationen gesammelt, aber nicht gegen Maciel vorgehen können. Um die Papstwahl 2005 herum habe Ratzinger das dann angesprochen und als Papst auch angegangen, daran wolle er an dieser Stelle erinnern, so Franziskus.

Was die „Legionäre“ angehe, habe es eine Änderung in der Leitung gegeben. Um die Geschichte kontrollieren zu können, würden die Legionäre selber ihren Oberen wählen, aber der Papst setze einen Vertreter ein, zwei Generalberater würden von der Kongregation bestimmt und zwei weitere durch den Papst.

Auf den Einsatz des Vatikans gegen Missbrauchsfälle heute bezogen, sagte der Papst, dass sehr viel daran gearbeitet werde; und er zählte die Maßnahmen auf, die bereits umgesetzt seien oder derzeit umgesetzt würden.

Wiederverheiratete Geschiedene

Die Kirche feiere zur Zeit das Jahr der Barmherzigkeit, als Papst habe er sehr viel Wert auf das Thema gelegt, so ein weiterer Journalist. Müsse eine barmherzige Kirche nicht viel leichter wiederverheirateten Geschiedenen vergeben?

„Das post-synodale Dokument, das vielleicht noch vor Ostern herauskommen wird, wird all das aufnehmen, was die Synode über die Konflikte und die verwundeten Familien gesagt hat, über die Seelsorge für diese verwundeten Familien“, antwortete der Papst. Er ging ausführlich auf die Ehevorbereitung als ein Problem ein, diese werde noch nicht wichtig genug genommen; auch sprach er davon, dass zu viele Ehen zu schnell geschlossen würden und nicht ganz aus freien Stücken. Außerdem sei es wichtig, auf die Kinder zu schauen: Diese seien die ersten Opfer von Konflikten und Überbelastung der Eltern. Auf die Frage bezogen sprach er das wiederverheiratete Paar an, das er in Tuxtla Gutierrez getroffen hatte. „Sie sind in der Seelsorge der Kirche integriert. Das ist das Schlüsselwort der Synode, und das werde ich auch wieder aufgreifen: in das Leben der Kirche die verwundeten Familien, die Familien der Wiederverheirateten, integrieren.“ Das sei aber nicht gleichbedeutend mit der Zulassung zu den Sakramenten, fügte Papst Franziskus an.

Kyrill, Russland und die Ukraine

Während fast die gesamte Welt das Treffen mit dem russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill vor der Ankunft in Mexiko gelobt habe, gebe es in der Ukraine bei vielen griechisch-katholischen Christen das Gefühl, verraten worden zu sein, führte eine weitere Journalistenfrage aus. Sie sprächen von einem „politischen Dokument“, das unterzeichnet worden sei; es stütze die Politik Russlands. Über den Krieg und die Propaganda verliere es kein Wort. Ob er daran denke, nach Moskau zu fahren, oder vielleicht in Kreta das panorthodoxe Konzil [das dort für Juni geplant ist] besuchen wolle, wollte ein Journalist wissen.

Er wünsche sich schon, dorthin zu fahren und die Glaubensbrüder zu grüßen, aber er wolle das panorthodoxe Konzil als solches auch respektieren, antwortete der Papst. Dass die auf Kreta zusammentretenden orthodoxen Kirchenführer auch katholische Beobachter einladen wollten, das sei schon eine gute Brücke.

Mit Patriarch Kyrill habe er zwei Stunden gesprochen. Was nun in der Ukraine gesagt werde, bereite ihm durchaus Sorgen. Den derzeitigen Großerzbischof der griechisch-katholischen Christen, Svjatoslav Ševčuk, kenne er noch aus Buenos Aires, wo er vier Jahre lang mit ihm zusammengearbeitet habe. Um eine Erklärung verstehen zu können, brauche man eine Hermeneutik, ging Papst Franziskus auf die Sorgen um das Dokument ein. Bischof Svjatoslav habe wie alle anderen auch ein Recht auf seine eigene Meinung. „Das Dokument kann man diskutieren, und man muss hinzufügen, dass sich die Ukraine im Krieg befindet, in Leiden, die verschieden ausgelegt werden… Wenn Bischof Svjatoslav sagt, dass viele Gläubige ihn angerufen und ihm geschrieben hätten und gesagt hätten, dass sie tief enttäuscht sind und sich von Rom verraten fühlen, dann ist das in einem Volk in dieser Situation verständlich, nicht wahr?“ Aber das Dokument spreche davon, dass die Situation enden müsse und dass es Abkommen brauche. Als Papst habe er immer zum Frieden aufgerufen.

Alles, was er mit Patriarch Kyrill in den zwei Stunden besprochen habe, bleibe vertraulich, fügte der Papst noch an.

Europa und der Karlspreis

Von einem deutschsprachigen Journalisten im Flugzeug kam die Frage, ob er als jemand, der demnächst den Karlspreis entgegennehme, zu Europa etwas zu sagen habe, das erst durch die Euro-Krise und nun durch die Flüchtlingskrise Gefahr laufe, zu zerbrechen.

„Ich habe eigentlich nicht die Angewohnheit, Ehrungen oder Doktorate anzunehmen, immer schon. Nicht weil ich demütig wäre, sondern weil mir das nicht gefällt“, ging der Papst zuerst auf den Preis ein, den er im Mai im Vatikan entgegennehmen wird. „Ein wenig Verrücktheit ist ganz gut, aber das mag ich nicht. In diesem Fall bin ich nicht gezwungen, aber überzeugt worden, und zwar von der theologischen Dickköpfigkeit Kardinal Kaspers“, so der Papst lachend.

Er habe in einer Zeitung neulich ein Wort gelesen, das ihm zu Europa sehr gut gefalle, nämlich die „Neugründung der Europäischen Union“. „Aber wo sind heute ein Schumann und ein Adenauer?“, schloss er an. Europa habe eine Kraft, eine Kultur, eine Geschichte, die man nicht vergeuden dürfe.

Die Verschwundenen

Aus Mexiko kam eine Frage nach den verschwundenen Menschen; es sind Tausende, von denen die Verwandten nicht wüssten, wohin sie verschleppt worden seien. Notorisch ist der Fall der Stadt Ayotzinapa, wo 43 Menschen vermisst würden. Warum habe er die Angehörigen nicht getroffen, wollte die Journalistin wissen.

Es sei quasi unmöglich, alle Gruppen und alle Vertreter von Opfern zu treffen, vor allem auch, weil sie untereinander nicht immer einig seien. Deswegen habe er vorgezogen, öffentlich und in Botschaften und Predigten immer wieder auf die Probleme der Gewalt hinzuweisen. „Das ist eine schwer zu verstehende Situation“, so der Papst. „vor allem für mich, der ich hier ein Fremder bin, nicht wahr? Aber ich glaube, dass die gesamte Gesellschaft Mexikos Opfer von all dem ist, Opfer der Verbrechen, dieses Verschleppens von Menschen, dieses Wegwerfens von Menschen.“ Davon habe er öffentlich gesprochen.

Gleichgeschlechtliche Partnerschaften

Auf dem Weg zurück nach Italien gab es natürlich auch eine italienische Frage; sie bezog sich auf eines der meistdebattierten Themen zur Zeit, nämlich auf die gesetzliche Regelung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften, die im Parlament diskutiert wird. Was er zum Thema Adoption durch solche Paare denke, wollte der Journalist wissen.

Als Papst mische er sich nicht in italienische Politik ein, begann der Papst seine Antwort. Den Bischöfen Italiens habe er gesagt, sie sollten das unter sich ausmachen, wie damit umzugehen sei. Er selber denke zum Thema, das ja kein nur italienisches sei, das, was die Kirche insgesamt dazu denke, schloss der Papst seine Antwort. Auf eine Nachfrage hin erinnerte er daran, Politiker - zumal katholische Politiker - sollten ihrem Gewissen entsprechend abstimmen; das Gewissen müsse natürlich gut gebildet sein.

Abtreibung

Sehr klar fiel die Antwort des Papstes auf die Frage aus, ob nicht im Fall einer Infektion durch den Zika-Virus bei einer Schwangeren eine Abtreibung in Frage komme, ob das nicht das kleinere Übel sei. „Abtreibung ist kein kleineres Übel“, so der Papst. „Es ist ein Verbrechen! Das heißt jemanden umzubringen, um jemand anderen zu retten. Das macht die Mafia, das ist ein Verbrechen! Das ist ein absolutes Übel.“

Johannes Paul II. und seine Freundin

Franziskus äußerte sich auf die Frage eines Journalisten hin auch zur Freundschaft des heiligen Papstes Johannes Paul II. zur US-Philosophin Anna Tymieniecka; eine BBC-Dokumentation hat unlängst Auszüge aus dem Briefwechsel der beiden veröffentlicht. Er habe von dieser Freundschaft schon zu seiner Zeit als Erzbischof von Buenos Aires gewußt, versetzte der Papst: „Das war eine Sache, die bekannt war.“ Johannes Paul sei ein „unruhiger Mann“ gewesen, und Männern, die keine „gute Freundschaft zu einer Frau“ unterhielten, fehle doch etwas.

„Die Freundschaft zu einer Frau ist keine Sünde! Eine Liebesbeziehung zu einer Frau, die nicht deine Ehefrau ist – das ist Sünde. Der Papst ist ein Mann, er braucht auch das Denken von Frauen. Und auch der Papst hat ein Herz, das zu einer gesunden, heiligen Freundschaft zu einer Frau imstande ist. Es gibt heilige Freunde, etwa Franziskus und Klara, oder Teresia von Avila und Johannes vom Kreuz – also, erschreckt nicht!“

Ende der „Eiszeit“ zwischen Vatikan und Azhar-Universität?

Der Papst ließ erkennen, dass er gerne den Großimam der ägyptischen al-Azhar-Universität treffen würde. Auch dieser sei zu einer Begegnung bereit, das habe der Besuch eines Vertreters des päpstlichen Dialogrates in Kairo letzte Woche ergeben. „Wir denken noch über die Art und Weise (eines Treffens) nach“, ergänzte Franziskus; „wir werden das hinkriegen“. Die al-Azhar-Universität hatte während des Pontifikats von Benedikt XVI. 2011 einen theologischen Dialog mit dem Vatikan auf Eis gelegt; in jüngster Zeit gibt es aber Hinweise, dass Kairo wieder auf den Vatikan zugeht.

Staunen über Vielfalt Mexikos

Voller Begeisterung sprach der Papst von der kulturellen Vielfalt, die er in den letzten Tagen in Mexiko vorgefunden habe: „Wußtet ihr, dass in Mexiko heute 65 Sprachen gesprochen werden?“ Mit Bedauern vermerkte er, dass rivalisierende Drogenbanden wegen seines Besuchs in Ciudad Juárez lediglich einen „Stillhaltepakt von zwölf Stunden“ abgeschlossen hätten, „danach werden sie wieder untereinander kämpfen“.

Dass Mexiko trotz all seiner Probleme noch so „vital“ sei, lasse sich nur mit den Marienerscheinungen von Guadalupe erklären. Vor dem Gnadenbild Mariens habe er für die Kirche und für Mexiko gebetet. „Aber was ein Sohn der Mamma sonst noch so sagt, ist ein bisschen geheim...“

Zum Schluss der fliegenden Pressekonferenz verabschiedeten sich Franziskus und die Journalisten mit einer Torte und Geschenken von Alberto Gasbarri, der elf Jahre lang der Hauptverantwortliche für die Organisation von Papstreisen gewesen ist und jetzt in den Ruhestand wechselt. Eine Journalistin würdigte Gasbarri, der auch Radio-Vatikan-Personalchef war, als „Gentleman alter Schule“.

Quelle: Radio Vatikan >>

Hintergrund:
Alle Artikel zur Papstreise nach Mexiko auf Radio Vatikan

Montag, 15. Februar 2016

Herr Quirinus wird zum Diakon geweiht

Herr Quirinus war längere Zeit als Mitarbeiter des martinus tätig.
Herr Quirinus wird zum Diakon geweiht
Neuss. Der Neusser Carsten Greiwe verließ vor zehn Jahren seine Heimat und trat in Österreich in ein Kloster ein. Er wollte Priester werden und hat dieses Ziel fast erreicht. Der Diakonen- soll im September die Priesterweihe folgen.
Carsten Greiwe ist entlassen worden. Ganz förmlich und mit seinem Segen hat Klaus Küng, Bischof der niederösterreichischen Diözese St. Pölten, den gebürtigen Neusser aus dem Laienstand entlassen und damit den Weg zur Priesterweihe frei gemacht. Bevor der Augustinerchorherr, der in seinem Orden den Namen Quirinus wählte, Mitte September diese Weihen empfängt, wird für ihn schon dieser Sonn- zu einem besonderen Festtag. Herr Quirinus (47) wird zum Diakon geweiht.

Die Feier wird in der Pfarrkirche St. Paul in Krems stattfinden. Das ist insofern ungewöhnlich, weil St. Paul keine der Kirchen ist, die zum Stift im "Mostviertel" gehören. Aber es passt zu Herrn Quirinus. "Die Menschen hier haben mich sehr nett dazu eingeladen", sagt er knapp. So reist Weihbischof Leichtfried am Sonntag dem Neusser "hinterher". Nach Krems an der Donau, wo der Weihekandidat sein Pastoraljahr antrat, nachdem er im vergangenen Jahr in Wien sein Theologie-Studium mit Auszeichnung bestanden hatte.

Auf den Priesterberuf bereitet sich Greiwe vor, seit er am 8. August 2006 ein Flugzeug bestieg, das ihn nach Österreich brachte. Das Stift Klosterneuburg hatte er sich nach langem Abwägen als geistliche und weltliche Heimat ausgesucht. Und es war für ihn eine mehr als erfreuliche Nebenerscheinung, dass dort auch ein hervorragender Roter gekeltert wird. Mit den ersten Gelübden wechselte er ins Stift Herzogenburg. Dessen Propst wird ihm im September - nach dem Pastoraljahr - eine neue Aufgabe zuweisen. Vermutlich wird er sie in einer der 14 Pfarren finden, die zum Stift gehören.

Den Weg ins Kloster fand Greiwe als Spätberufener. Nach dem Abitur am Gymnasium Norf, das er als Klassenkamerad von Bürgermeister Reiner Breuer ablegte, studierte er Jura - bis er sein Talent zum Schreiben erkannte und als Volontär zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung kam. Danach war er Büroleiter des Mönchengladbacher Bundestagsabgeordneten Günter Krings (CDU).

Greiwe selbst gehörte dieser Partei ebenfalls an, für die er auch im Stadtrat wirkte. Mit dem neuen, dem geistlichen Stand fand er eine solche Parteizugehörigkeit aber nicht mehr angemessen. Auch andere Mitgliedschaften beendete er, bevor er in den Flieger nach Wien stieg. Sogar der Kardinal-Frings-Gesellschaft, mit der er 2001 dem Neusser Ehrenbürger am Quirinus-Münster ein Denkmal setzen konnte, kündigte er die Mitgliedschaft. Nur aus dem Neusser Eifelverein auszutreten, in dessen Musikgruppe er schon als Junge mit seiner Großmutter gegangen war, brachte er nicht übers Herz.

Als neuer Diakon wird Herr Quirinus in Krems Kinder taufen, Christenmenschen beerdigen und verheiraten. Seine allererste Hochzeit aber wird er am 21. Mai begleiten, wenn Simon Hopf, ein Freund und Kollege aus NGZ-Zeiten, in St. Quirin seine Jasmin heiratet. Beide werden auch zu der kleinen Gruppe Neusser "Schlachtenbummler" gehören, die Sonntag zur Weihe nach Krems reisen.

Als Diakon darf Greiwe aber auch predigen und darauf, so versichert er, "freue ich mich total". Auch wenn er andere Töne wird anschlagen müssen, als er es in den Jahren durfte, als er Sitzungspräsident der BKG der Heimatfreunde war.

Bei seiner Heimatprimiz, die Herr Quirinus am 23. Oktober in der Neusser Marienkirche feiern wird, muss er aber anderen das Wort überlassen. Dann wird der Kölner Dom- und Stadtdechant Robert Kleine predigen. Ein Zugkamerad aus der Zeit als beide - heute Grenadier beziehungsweise Scheibenschütze - noch bei der Gilde mitmarschierten.

So etwas kennt man in Greiwes neuer Heimat ebenso wenig wie den rheinischen Karneval. Aber auch wenn ihm an solchen Tagen die Mentalitätsunterschiede deutlich machen, dass er 1000 Kilometer weit entfernt von Neuss lebt, betont der Seelsorger doch immer und gerne: "Ich habe echt große Freude daran, bei diesen Leuten zu sein."


Novene für Weihekandidaten H Quirinus

Homepage der Pfarre Krems St. Paul

Mittwoch, 10. Februar 2016

Pflichtzölibat sei wie Verhütungsverbot: wenige halten sich daran

Mehr Ausnahmen bitte!
Der Theologe und Psychologe Wunibald Müller fordert die Abschaffung des Pflichtzölibats. Zweimal schrieb er bisher dem Papst einen Brief. Jetzt schöpft er neue Hoffnung, dass sich etwas bewegt.
Interview in Zeit-Online >>

Dienstag, 9. Februar 2016

Kommt die Zölibats-Diskussion?

VATIKAN
Sturm auf die Bastion

Zweifel am Zölibat waren in der katholischen Lehre lange verboten. Nun sucht Franziskus auf seiner Mexiko-Reise am Ende der Welt nach einer Lösung für eines der zentralen Probleme seiner Kirche

Don Giovanni Cereti ist 82 Jahre alt und steht einer Kirchengemeinde in Rom vor. Nicht mehr lange, dann ist er seit 60 Jahren katholischer Priester. Vor etwa einem Jahr war er mit dem römischen Klerus bei Papst Franziskus im Vatikan zur Audienz. Am Ende der Versammlung wollte der Papst wissen, ob noch einer der Priester etwas auf dem Herzen habe. Da erhob sich Don Giovanni, strich sein silbergraues Haar zurecht, trat ans Mikrofon und wollte wissen, wie es Franziskus mit den verheirateten Priestern hält. Er kennt viele verheiratete Priester, die von ihrem Dienst suspendiert wurden und den Wunsch hegen, wieder als Seelsorger aktiv sein zu dürfen. Auf der ganzen Welt gibt es etwa 100 000 solcher von der Kirche ausgeschlossenen Priester. Würde Franziskus also einen Weg der Annäherung finden, eine Art Willkommenskultur für verheiratete Priester etablieren? Weil Don Giovanni nicht mehr so gute Ohren hat, verstand er die Antwort des Papstes nicht genau, als er zu seinem Platz zurücklief. Aber auch die Kollegen trauten ihren Ohren kaum. Denn Franziskus sagte: »Das Thema ist auf meiner Agenda.«

Dann erzählte der Papst, er habe erst eine Woche zuvor zwölf altgediente Priester im vatikanischen Gästehaus Santa Marta empfangen. Fünf von ihnen waren verheiratet und deshalb suspendiert. Aber auch sie waren bei der Messfeier in der Hauskapelle zugegen. »Ich habe das Gefühl, das Problem der verheirateten Priester steht vor einer Lösung«, sagt Don Giovanni heute. Und tatsächlich gibt es verschiedene Anzeichen dafür, dass Papst Franziskus nach der quälenden Debatte um den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen als Nächstes die Frage des Zölibats angehen will.

Auf seiner knapp einwöchigen Mexiko-Reise Mitte Februar wird der Papst einen ganzen Tag im Bundesstaat Chiapas verbringen. Die Station ist aus verschiedenen Gründen brisant, hohe Kirchenfunktionäre versuchten dem Papst den Besuch in San Cristóbal de las Casas auszureden, ohne Erfolg. Denn der Abstecher in die Diözese und das Treffen mit den Vertretern der indigenen Gemeinden sind symbolisch aufgeladen. Franziskus will auch deshalb unbedingt nach San Cristóbal, weil hier eine für sein Pontifikat entscheidende Frage im Vordergrund steht: der Umgang mit der indigenen Bevölkerung in der Frage des Zölibats.

Die Diskussion um den Zölibat für katholische Priester hat sich in San Cristóbal in den vergangenen Jahrzehnten wie an keinem anderen Ort verdichtet. In Chiapas, wo lange die aufständischen Zapatisten gegen die Soldaten der mexikanischen Regierung kämpften, leben etwa eine Million Menschen indigener Abstammung. Nur die wenigsten katholischen Gemeinden im weitläufigen Maya-Gebiet haben einen eigenen Priester. Der frühere Ortsbischof Samuel Ruiz García, wegen seiner politischen Einstellung von seinen Gegnern der »rote Bischof« genannt, weihte ab 1960 deshalb besonders viele ständige Diakone aus der Bevölkerung. Da ältere unverheiratete Männer in der Maya-Kultur als minderwertig gelten, waren die Diakone überwiegend verheiratet.

Zur Jahrtausendwende standen in der Diözese knapp 400 ständigen Diakonen gerade einmal 66 Priester gegenüber. Ein Graus für die Sittenwächter im Vatikan. Denn Rom fürchtete, dass der massive Einsatz der verheirateten ständigen Diakone einen gefährlichen Präzedenzfall zur Umgehung des Zölibats darstellen könnte. Nach dem kanonischen Recht dürfen ständige Diakone zwar unter bestimmten Voraussetzungen verheiratet sein, eine spätere Weihe zum Priester ist für sie jedoch ausgeschlossen. Die vatikanische Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung verfügte im Jahr 2000 den Stopp der Diakonweihen in Chiapas. Franziskus hob im Frühjahr 2014 das Weiheverbot wieder auf.

Sein eintägiger Besuch in San Cristóbal de las Casas ist auch eine Solidaritätsbekundung für den inzwischen amtierenden Bischof Felipe Arizmendi Esquivel, dem der Vatikan sogar untersagt hatte, auch nur die Wünsche derjenigen verheirateten Diakone anzuhören, die gerne den Schritt zum vollen Priestertum gehen würden. »Wir wollen keinen verheirateten Klerus«, beschwichtigt Arizmendi heute. Aber auch er weiß, dass der Kurzbesuch des Papstes einer ideologischen Wende und einer Unterstützung für Bischöfe gleichkommt, die sich aufgeschlossen für die Bedürfnisse in ihren Gemeinden zeigen.

Zu diesen gehört auch der Österreicher Dom Erwin Kräutler, der seit 50 Jahren am Rio Xingu im brasilianischen Amazonas-gebiet wirkt, die letzten 35 Jahre als Bischof. 800 kleinere und größere Gemeinden sind dort über ein Gebiet verstreut, das so groß ist wie die Bundesrepublik. Wegen des Priestermangels können 70 Prozent der Gemeinden nur drei- bis viermal im Jahr an der Eucharistiefeier teilnehmen, die nach katholischem Lehramt aber unerlässlich ist für den Glauben. Oft leiten Laien den sonntäglichen Wortgottesdienst. »Das ist eine positive Erfahrung«, sagt Kräutler. Allerdings um den Preis, dass die Gemeinden in Amazonien praktisch von der Eucharistie ausgeschlossen sind. Denn Diakonen ist im Gegensatz zu Priestern die Feier der Messe und die Abnahme der Beichte nicht erlaubt. »Wenn päpstliche Lehrschreiben und das Zweite Vatikanische Konzil ernst genommen werden sollen«, sagt Kräutler, »dann kann die Kirche die Eucharistiefeier nicht davon abhängig machen, ob gerade ein zölibatärer Priester zur Verfügung steht oder nicht.«

Dem Papst erläuterte Kräutler seine Sicht bei einer Privataudienz im Vatikan im April 2014. Franziskus schien nicht abgeneigt und erwiderte, er erwarte sich mutige Vorschläge von den Bischofskonferenzen. »Ganz sicher wird der Papst nicht im Alleingang Entscheidungen fällen«, sagt der Bischof. Demnach wartet Franziskus auf die Vorstöße der Bischöfe und könnte diese je nach Lage vor Ort akzeptieren. Kräutler ist sich aber sicher, dass »Entscheidungen, die die Kirche auf der ganzen Welt betreffen, wie beispielsweise die Zölibatsverpflichtung als Zulassungsbedingung für die Priesterweihe, sicher nicht von der einen oder anderen Bischofskonferenz getroffen werden«.

Diese Einschätzung deckt sich mit anderen Aussagen von Jorge Bergoglio. Auf der Familiensynode im vergangenen Oktober und zuvor in der programmatischen Schrift »Evangelii gaudium« erhob Franziskus das Prinzip der »heilsamen Dezentralisierung« zur päpstlichen Maxime. Danach soll der Papst die örtlichen Bischöfe nicht für alle Probleme in den Diözesen als Entscheidungsgewalt ersetzen. Noch als Erzbischof von Buenos Aires sagte Bergoglio über die Aufhebung des Zölibats: »Wenn die Kirche eines Tages diese Norm revidieren sollte, dann würde sie es wegen eines kulturellen Problems an einem bestimmten Ort in Angriff nehmen, aber nicht für alle gültig und nicht als persönliche Option.« Diese Linie gilt offenbar auch heute.

Übertragen auf die aktuelle Situation wirkt das, als würden in Chiapas und am Amazonas nun Testballons gestartet. Die Amazonas-Kommission der brasilianischen Bischofskonferenz studiert bereits mögliche Lösungen. Immer wieder geht es dabei auch um den Einsatz sogenannter Viri probati, also bewährter verheirateter Männer, Laien mit aus katholischer Perspektive tadelloser Lebensführung, die zu ständigen Diakonen geweiht werden. Erstmals kam die Rede beim Zweiten Vatikanischen Konzil auf die Viri probati. Zuletzt wagten sich Bischöfe auf der Bischofssynode im Jahr 2005 aus der Deckung mit der Forderung, auf diese Weise dem Problem des Priestermangels entgegenzutreten. Unter Johannes Paul II. und Benedikt XVI. hatte dieser Vorstoß aber keine Chance. Auch Erwin Kräutler reagiert allergisch auf die Viri probati, aus ganz anderem Grund. »Der Vorschlag greift entschieden zu kurz und ist dazu noch diskriminierend«, sagt er. Wer entscheide denn über die Tadellosigkeit der Männer? »Ich mag die Worte schon gar nicht mehr hören.« Einen »Klerus erster und zweiter Klasse« lehnt Kräutler ab. Er will mehr.

Die Amazonas-Kommission, deren Sekretär Kräutler ist, hat entscheidende Bedeutung bei der Suche nach neuen Wegen des Priestertums. Vorsitzender der Kommission ist der 81-jährige brasilianische Kardinal Cláudio Hummes, ein enger Vertrauter des Papstes. Der Franziskaner gilt als einer der Strippenzieher im Konklave 2013, das Bergoglio wählte. Auf Hummes, so erzählte es der Argentinier, gehe die Wahl seines Namens Franziskus zurück. Als designierter Präfekt der Kleruskongregation hatte Hummes im Dezember 2006 für schweren Unmut im Vatikan gesorgt, als er kurz vor seinem Amtsantritt in einem Zeitungsinterview den Zölibat infrage stellte. »Die Kirche kann über den Zölibat nachdenken, denn er ist kein Dogma, sondern eine Disziplin«, hatte Hummes gesagt. Einige Apostel seien verheiratet gewesen, die Pflicht zur Keuschheit sei erst einige Jahrhunderte nach Einführung des Priestertums verfügt worden. Kurz darauf musste der von Benedikt berufene und nur vier Jahre später wieder abgetretene Präfekt zurückrudern. Eine von Hummes unterschriebene Erklärung zum Thema aus dem Jahr 2007 liest sich wie eine von höchster Stelle auferlegte Bußschrift. Offene Zweifel von offizieller Seite am Zölibat gab es seither nicht mehr. Auch die zaghaften Vorstöße einiger deutscher Bischöfe verliefen im Sande. Die Tür war zu.

Seit Franziskus im Amt ist, hat sie sich wieder geöffnet, zumindest einen Spaltbreit. Das wird auch ersichtlich, wenn man sich bei den zuständigen Stellen im Vatikan erkundigt und die Antwort bekommt, dass zu »offenen Fragen« keine Auskünfte erteilt werden. Auch der von Franziskus eingesetzte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin stellte kürzlich fest, dass es sich beim Zölibat um eine Disziplin und nicht um ein unveränderliches Dogma handelt. »Wenn er den Druck auf ihn und die Ergebnisse der Synode im Oktober übersteht, wird er bereit sein, über den Zölibat zu sprechen«, mutmaßte im vergangenen Sommer Norberto Saracco, Pastor der Pfingstbewegung und Freund Bergoglios aus Argentinien. Auch er hatte zuvor ein Zwiegespräch mit Franziskus in Santa Marta. Auf die Frage, ob er konkrete Anhaltspunkte für diese Annahme habe, versicherte der Pastor: »Das ist mehr als ein Gefühl.«

Die deutschen Bischöfe, unter denen es offenbar auch zahlreiche Befürworter einer Lockerung gibt und für die der Priestermangel eine der größten Herausforderungen überhaupt ist, halten sich weiterhin zurück. Sie warten auf deutlichere Worte des Papstes, um sich dann in seinem Windschatten aus der Deckung zu wagen. Franziskus aber wartet auf die mutigen Vorschläge der Bischöfe und der Bischofskonferenzen. Die Lage stellt sich damit ähnlich vertrackt dar wie bei der Familiensynode im Oktober. Damals erhoffte sich Franziskus von den Bischöfen Änderungsvorschläge zu den strittigen Themen auf dem Feld von Ehe und Familie. Am Ende muss er nun selbst ein Machtwort sprechen.
Aus: Christ & Welt Ausgabe 06/2016



Zölibat: Weiht Papst Franziskus in Mexiko verheiratete Diakone zu Priestern?
(Rom) Die wiederverheirateten Geschiedenen und die Homosexualität sind nur zwei Fronten. Hinter den Kulissen wird in der Katholischen Kirche um viel mehr gerungen. An der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom begann am heutigen Nachmittag eine Tagung, deren Thema angesichts der Zeitumstände besondere Brisanz hat: „Der Priesterzölibat, ein Weg der Freiheit“.
Katholisches.info >>

Montag, 8. Februar 2016

5 Jahre Memorandum "Kirche 2011"

Eiszeit unter Papst Benedikt
Vor fünf Jahren haben mehr als 300 deutschsprachige Theologen zu einem Aufbruch in der katholischen Kirche aufgerufen

Münster - Es war ein Aufschrei in der katholischen Kirche. Mehr als 300 deutschsprachige Theologen muckten 2011 auf, stellten Reformforderungen in Richtung ihrer Bischöfe und in Richtung Rom. Es war die Zeit vor Papst Franziskus, der aus Argentinien kam und heute im Kleinwagen durch Rom fährt und Flüchtlingen auf der Insel Lampedusa im Mittelmeer die Hand reicht. 2011 war der heute emeritierte Papst Benedikt XVI. noch zwei Jahre im Amt. Kritiker sprechen von einer Eiszeit, von Winter, ohne Hoffnung auf Frühling.

Doch dann kam am 4. Februar 2011 der im Geheimen vorbereitete Vorstoß: Die Unterstützer veröffentlichten eine Liste mit Forderungen, riefen zu einem echten Neuanfang auf. Getrieben wurden sie vom Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche und einer tiefen Kluft zwischen den Bischöfen und dem Papst und den Gläubigen.

Reaktionen waren offiziell kritisch
Als Mittel gegen den Priestermangel forderten sie, verheiratete Männer sowie Frauen als Priester zuzulassen. Die Gläubigen sollten außerdem bei wichtigen Entscheidungen mitreden und vor allem mitentscheiden können. Gottesdienste müssten moderner werden. Außerdem dürften Homosexuelle und wiederverheiratete Geschiedene nicht ausgegrenzt werden. „Wir wenden uns an alle, die es noch nicht aufgegeben haben, auf einen Neuanfang in der Kirche zu hoffen“, betonten die Theologen.

Die Reaktionen der Bischof waren offiziell kritisch, unter der Hand gab es Zustimmung. Einige, wie Felix Genn in Münster, äußerten deutlich auch bei öffentlichen Veranstaltungen ihren Ärger. „Er fühlte sich unter Druck gesetzt von dem Memorandum und hat das auch in meine Richtung so deutlich geäußert“, sagt der Mainzer Theologe Gerhard Kruip der Deutschen Presse-Agentur; er zählt zu den Ini­tiatoren. „Wir haben damals Kollegen von der Unterschrift abgeraten. Wer nur einen Zeitvertrag als Kirchenlehrer hatte, sollte sich bewusst nicht angreifbar machen“, erinnert sich Kruip.

Ob das Memorandum auch beim damaligen Papst Wirkung gezeigt hat? „Das ist heute schwer zu sagen. Bischof Marx hat mal so Andeutungen gemacht“, sagt der Theologe. Aus den Bistümern gab es sehr unterschiedliche Signale. Die Bischöfe Robert Zollitsch (Freiburg) und Franz-Josef Bode (Osnabrück) waren laut Kruip auch nicht begeistert. Sie sprachen sich aber für den Dialog in der Sache aus.

Der Historiker Thomas Großbölting vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Uni Münster ordnet den Streit ein: „Es war eine Auseinandersetzung zwischen zwei immer kleiner werdenden Eliten: den Konservativen in der Amtskirche auf der einen Seite und den progressiven Theologen vor allem in Universitäten und Akademien auf der anderen Seite.“

Praktisch allerdings hat das Memorandum nach seiner Einschätzung kaum etwas bewirkt: Weder gebe es heute mehr Rechtssicherheit im Kirchenrecht noch Verbesserungen für kirchliche Angestellte, ganz zu schweigen von Frauen als Priester. Das sieht auch Mitunterzeichner Thomas Schüller so. Der Theologe aus Münster hofft deshalb jetzt nach der Familiensynode im vergangenen Herbst auf den Papst. „Ende März kommt es zum Schwur, wenn dann endlich Ergebnisse vorgestellt werden sollen“, sagt Schüller. Nach seiner Meinung hat der Papst einen unglaublichen Schub gebracht: „Beim Thema Ehe und Sexualität hat Franziskus dafür gesorgt, dass wieder angstfrei über die Themen diskutiert werden kann.“

Kluft teilweise noch größer
Im Verhältnis zwischen Bischöfen und Theologie-Instituten sei die Kluft nach dem Memorandum an einigen Standorten wie Münster noch größer geworden, sagt Schüller. Bei der Forderungen nach mehr Mitspracherechten für die Gläubigen sei der Papst weiter als die deutschen Bischöfe. „Franziskus hat gesagt, der Papst allein kann nichts. Aber dann muss er jetzt auch liefern und aufzeigen, wie die Bischöfe Macht abgeben können.“

Dorothea Sattler vom Ökumenischen Institut in der Uni Münster hat das Memorandum nicht unterschrieben. Die Professorin passte die Form der Kritik nicht. Sie war ihr zu knapp und wissenschaftlich zu wenig unterfüttert. „Der Streit ist in Rom registriert worden. Es gibt aber keinen kausalen Zusammenhang zu den späteren Veränderungen im Vatikan“, sagt Sattler.
Quelle: Eßlinger Zeitung >>


Vor fünf Jahren veröffentlichten Theologen Reform-Memorandum
"Aufschrei in der katholischen Kirche"
Fünf Jahre ist es her: Über 300 deutschsprachige Theologen rufen zu einem Aufbruch in der katholischen Kirche auf. Ihre Forderungen werden heute überlagert vom Wirken eines neuen Papstes. Ob das Memorandum etwas bewirkt hat, ist umstritten.
domradio.de >>


Nur ein "Aufbruch light"
Genau fünf Jahre ist es nun her, dass ein Aufschrei durch die katholische Kirche ging. Mit einem Memorandum wandten sich über 300 Theologen – vor allem aus dem deutschsprachigen Raum – an die kirchliche Obrigkeit. Der Tenor: Es seien tief greifende Reformen notwendig, um Lähmung und Resignation innerhalb der Institution zu überwinden. Das Schreiben trug den vielversprechenden Namen "Kirche 2011: Ein notwendiger Aufbruch".
Katholisch.de >>


„Kirche 2011“ - Aufschrei der Theologen ohne Folgen
Fünf Jahre nach dem Aufruf deutschsprachiger Theologen zu grundlegenden Reformen in der katholischen Kirche ziehen die Unterzeichner ein durchwachsenes Fazit.
Religion.orf.at >>


Nach dem Memorandum der 311 Theologieprofessoren
Zwei Sammelbände zum Dialogprozeß

Stimmen der Zeit >>


Memorandum der über 300 TheologieprofessorInnen
Übersicht auf Wir-sind-Kirche.de >>

Memorandum "Kirche 2011"

Freitag, 5. Februar 2016

Pfarrer Angelo avanciert zum Feuerwehrmann

Am 2. Februar war Pfarrer Angelo im Burgenland HEUTE als Feuerwehrmann in action zu sehen. Das Video ist auf der Facebook-Seite von Pfarrer Angelo verlinkt.

Siehe auch KURIER-Artikel vom 12.10.2014
"Ein Priester erobert die Herzen -
Pfarrer Angelo bringt neuen Schwung in die Gemeinde und füllt damit die Kirchenbänke"

sowie den Blog-Beitrag dazu mit den Kommentaren.

Dienstag, 2. Februar 2016

St. Andrä: Knappes „Ja“ für Kloster


Knappes „Ja“ für orthodoxes Kloster!
Bei der Bürgerbefragung zum geplanten christlich-orthodoxen Kloster in St. Andrä am Zicksee stimmten 433 Bürger mit "Ja", 398 mit "Nein". Die Wahlbeteiligung lag bei 64,46 Prozent.
Ortschef: „Ergebnis ist ein klares Votum der Bevölkerung“

Für Bürgermeister Erich Goldenitsch (SPÖ) ist damit klar: „Das Ergebnis ein klares Votum der Bevölkerung für den Gemeinderat mit dem Projekt zu beginnen. Natürlich werden wir im Gemeinderat ausführlich darüber diskutieren und grünes Licht geben und dann die Weichen stellen, damit der Betreiber – die christlich-orthodoxe Kirche – das Projekt für die Einreichung aufarbeiten kann.“

Grundsätzlich zeigt sich der St. Andräer Ortschef auch mit der Beteiligung bei der Bürgerbefragung von 64,46 Prozent zufrieden: „Das ist aussagekräftig. Die Differenz von 35 Stimmen ist zwar nicht viel, aber eine demokratische Mehrheit. Das Ergebnis wird akzeptiert und wir werden uns danach richten.“

Die Befragung sei äußerst demokratisch abgewickelt worden, weil die Bürger vier Tage lang die Chance gehabt hätten, ihre Stimme abzugeben, so Goldenitsch.
Quelle: BVZ >>

burgenland.orf brauchte diesmal sehr lange, bis ein News-Bericht darüber veröffentlicht wurde.
 
St. Andrä mehrheitlich für Kloster
Nach einer viertägigen Bürgerbefragung hat sich St. Andrä mehrheitlich für den Bau eines orthodoxen Klosters am Ortsrand ausgesprochen. Allerdings ist das Ergebnis knapp ausgefallen. Die Befürworter hatten nur um 35 Stimmen mehr als die Gegner.
Weiterlesen auf burgenland.orf.at >>



Knappe Mehrheit für orthodoxes Kloster

Die Erleichterung stand Bürgermeister Erich Goldenitsch ins Gesicht geschrieben. Der Ortschef habe nicht damit gerechnet, dass das Ergebnis so knapp ausfallen würde. Gerüchte, die von Gegnern in Umlauf gebracht wurden, machten die Bevölkerung skeptisch. "Es hieß, dass das Kloster eventuell als Unterkunft für Flüchtlinge genutzt werden könnte", erläuterte Vizebürgermeister Andreas Sattler. Anrainer seien in die Offensive gegangen, weil sie einen Ansturm auf St. Andräs neue "Sehenswürdigkeit" befürchteten.

Die orthodoxe Kirche rechnet mit rund 10.000 Besuchern im Jahr. In dem Kloster auf dem 7,6 Hektar großen Grundstück sollen vorerst ein Abt und fünf Mönche leben und arbeiten.Es ist das erste seiner Art in Österreichweit. Die Gemeinde erwartet sich dadurch einen touristischen Aufschwung.

Als nächsten Schritt soll das Grundstück umgewidmet werden. Im Frühherbst könnte der Spatenstich für den Bau fallen.

Martin Türnbeck ist einer von vielen, dem der religiöse Bau ein Dorn im Auge ist. Er hat 400 Flugblätter mit Gegenargumenten in St. Andrä verteilt. "Wir wissen nicht, wofür das Kloster genutzt werden soll, außerdem war die Vorgehensweise nicht korrekt", sagte Türnbeck. Er werde das Projekt weiter im Auge behalten und sich bei eventuellen Verfahrensfehlern an den Verwaltungsgerichtshof wenden.
KURIER, 02.02.2016



Dankesworte des Metropoliten >>


Weitere Infos auf der Webseite der Freunde des Klosters

Montag, 1. Februar 2016

Bürgerbefragung zu griechisch-orthodoxem Kloster in St. Andrä


Kloster St. Andrä: Entscheidung am Montag
Montagabend fällt die Vorentscheidung, ob das Burgenland in St. Andrä ein griechisch-orthodoxes Kloster erhält. Nachdem Projektgegner Stimmung gegen das Kloster machten, ließ der Gemeinderat die Bürger befragen.
Geplant ist das Kloster seit fast eineinhalb Jahren. Damals hatte die Diözese Eisenstadt ein Gründstück am Ortsrand von St. Andrä (Bezirk Neusiedl am See) der orthodoxen Kirche geschenkt. Als Prestigeprojekt wurde es gepriesen, als vorbildhaft im Sinne der Ökumene, als Chance für den Tourismus - insbesondere deshalb, weil das Kloster in Sichtweite zur Therme Frauenkirchen liegen würde.

„Über Urteil der Bürger nicht hinwegsehen“
Von Seiten der Therme gibt es bereits Interesse, den Gästen Ausflüge in die dort geplante Ikonenmalerei anzubieten. Doch während die einen Prestige und Chancen sehen, machten andere mit Stimmung gegen das Kloster. Das machte Eindruck im Gemeinderat, sagt Bürgermeister Erich Goldenitsch (SPÖ).
„In der Sitzung des Gemeinderates am 17.12.2015 (Protokoll, Pkt 12) hat sich der Gemeinderat mehrheitlich für die Umwidmung dieses Grundstücks zur Errichtung einer orthodoxen Klosteranlage entschieden. Gleichzeitig hat aber der Gemeinderat auch beantragt, die Bürger zu befragen“, so Goldenitsch. Auf die Frage, was passiert, falls sich eine Mehrheit gegen das Kloster ausspricht, sagt der Bürgermeister: „Nachdem wir demokratisch gewählte Mandatare sind, können wir über das Urteil der Bürger sicher nicht hinwegsehen“.

Projektgegner kritisiert Bischof
Einer der aktivsten Gegner des Projekts ist Martin Türnbeck. Kurz vor Beginn der Befragung verteilte er 400 Flugblätter. Er begründet seine Gegnerschaft zu dem Projekt so: „Es gibt keine Tradition mit der Ostkirche“. Türnbeck übt auch Kritik an Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics. „Eine Vermutung ist die, dass der Bischof sich profilieren will, in Richtung Nachfolge von Kardinal Schönborn“, so Türnbeck.
Ein anderer Gegner mit anderen Gründen ist Gerhard Mauersics. „Ich bin ein direkt betroffener Anrainer und bin eindeutig dagegen“, so Mauersics. Dass die Projektbetreiber versichern, dass das Kloster mindestens 100 Meter von Anrainern entfernt wäre, beruhige ihn nicht. „Es sind bis jetzt nur Planentwürfe, ich zweifle an, was die Projektbefürworter bis jetzt von sich gegeben haben“, sagt Mauersics.

„Auf alle Wünsche der Anrainer eingegangen“
Ein Misstrauen, das Dominik Orieschnig, der Sprecher der Diözese Eisenstadt, nicht verstehen kann. „Tatsache ist, dass es 100 Meter sind, die das Kloster dann an Entfernung zu den Anrainern aufweisen wird. Man ist bei der Planung und auch der Situierung des Klosters auf dem Grundstück auf alle Wünsche der Anrainer eingegangen. Man hat sogar noch Sonderwünsche erfüllt, wie zum Beispiel einen Windschutzgürtel“, so Orieschnig.

Befragung endet um 16.00 Uhr
Außerdem habe man von Anfang an die Bürger auch mit Veranstaltungen intensiv informiert und viele überzeugen können, ist sich Orieschnig sicher. Auch der Bürgermeister steht hinter dem Kloster. „Grundsätzlich bin ich für das Projekt und würde natürlich, wenn die Bevölkerung Ja sagt, das Projekt unterstützen“, so Goldenitsch. Die Befragung, die seit Freitag läuft, endet am Montag um 16.00 Uhr - dann wird ausgezählt.
Burgenland.orf.at >>


Kloster: Geteilte Meinungen in St. Andrä
Am Freitag hat in Sankt Andrä im Seewinkel eine Bürgerbefragung über ein geplantes orthodoxes Kloster begonnen. Während die einen sich für das Kloster aussprechen, wollen die anderen die Errichtung verhindern.
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Im Protokoll der Gemeinderatsitzung vom 17.2.2015 wird unter Punkt 12 die Causa "Griechisch-orthodoxes Kloster" behandelt:
Umwidmung von Teilflächen der Gst.Nr. 1673, KG St. Andrä am Zicksee, zur Errichtung einer orthodoxen Klosteranlage

Nuntius in der Schweiz kritisiert Papst und Deutsche Bischofskonferenz

Nuntius in der Schweiz bekommt viel Gegenwind
Verwunderung und Kopfschütteln

Ein Papstbotschafter, der den Papst kritisiert und die Deutsche Bischofskonferenz öffentlich der Häresie bezichtigt? Im Schweizer Katholizismus gibt es Verwunderung über den neuen Nuntius Erzbischof Thomas Edward Gullickson.

Der neue päpstliche Nuntius in der Schweiz, Erzbischof Gullickson, sorgt für Schlagzeilen. Die Gemüter erhitzen sich etwa über seine Kritik an den Schweizer Kirchenverhältnissen. Zudem gibt es bereits Gerüchte, der 65-jährige US-Amerikaner könnte zum Wegbereiter für einen erneut sehr konservativen Nachfolger des Churer Bischofs Vitus Huonder werden - der mit bald 74 Jahren auf die kirchenrechtliche Altersgrenze zusteuert.

Allianz "Es reicht!" appelliert an Bischöfe
Eine breite Allianz aus zumeist linkskatholischen Organisationen mit Namen "Es reicht!" fordert nun die Schweizer Bischöfe auf, sich klar zu den Aufbrüchen des Konzils zu bekennen. Zudem sollten sie die Äußerungen des Erzbischofs wachsam verfolgen. Die Allianz kritisiert "mit Befremden", der Botschafter sei einem "völlig überholten Kirchenbild verpflichtet". Der Vatikan-Vertreter stehe der traditionalistischen Piusbruderschaft nahe und empfehle via Twitter ein "fundamentalistisches Standardwerk" und einen "kriegerisch anmutenden Katholizismus". Für die Schweiz habe er bereits vorgeschlagen, alle Pfarreien ohne Priester aufzuheben.

Gullickson, seit September im Amt, stelle sich "klar gegen Errungenschaften, die für die große Mehrheit der ... Katholiken unseres Landes längst selbstverständlich sind". Damit verweist die Allianz vor allem auf Pfarreien, die von Laientheologen geleitet werden, und auch auf Frauen, die in Seelsorge und Liturgie Verantwortung tragen. Verwunderung herrscht darüber, dass die theologischen Positionen des Nuntius in einem "großen Kontrast zu den Reformbemühungen von Papst Franziskus" stünden - den Weiterlesen auf domradio.de >>



Ein Nuntius sorgt für Schlagzeilen
US-Amerikaner erhält viel Gegenwind in der Schweizer Kirche

Der neue päpstliche Nuntius in der Schweiz, Erzbischof Thomas Edward Gullickson, sorgt für Schlagzeilen. Die Gemüter erhitzen sich etwa über seine Kritik an den Schweizer Kirchenverhältnissen. Zudem gibt es bereits Gerüchte, der 65-jährige US-Amerikaner könnte zum Wegbereiter für einen erneut sehr konservativen Nachfolger des Churer Bischofs Vitus Huonder werden - der mit bald 74 Jahren auf die kirchenrechtliche Altersgrenze zusteuert.
Einen neuen Blog eröffnete der Nuntius unter admontemmyrrhae.blogspot.ch. Darin äußerte er sich zuletzt etwa zu Gender-Fragen und über einen Relativismus, der die "Toleranz auf den Kopf stellt".
Katholisch.de >>



Neuer Nuntius – die kirchliche Allianz «Es reicht!» will Konsequenzen
Zürich, 28.1.16 (kath.ch) Der neue Nuntius in der Schweiz, Erzbischof Thomas Edward Gullickson, sorgt für Schlagzeilen. Einerseits regen sich die Gemüter über seine Kritik an der Kirche Schweiz auf. Andererseits wird befürchtet, dass er Wegbereiter für einen konservativen Nachfolger von Bischof Huonder in Chur sein könnte. Die Allianz «Es reicht!» fordert die Schweizer Bischöfe auf, sich klar zu den Aufbrüchen des Zweiten Vatikanischen Konzils zu bekennen. Zudem sollen die politisch Verantwortlichen die Äusserungen des Erzbischofs wachsam verfolgen.


Hintergrund:

Der Nuntius im Zwielicht
Der neue Botschafter des Vatikans in Bern entpuppt sich als Traditionalist und Verfechter eines totalitären Katholizismus. Für die Katholiken in der Schweiz eine Hypothek.
Erwin Koller auf Journal21.ch vom 05.01.2016

Neuer Apostolischer Nuntius
Der konservative Botschafter des Papstes
Erzbischof Thomas Gullickson findet, dass die Traditionalisten den Sinn des Zweiten Vatikanischen Konzils vielleicht besser verstanden hätten als andere.
NZZ vom 24.12.2015

Apostolischer Nuntius über Piusbruderschaft und Exkommunikation
Katholisches.info vom 29.9.2012