Freitag, 11. Juli 2014

Das Finale Benedikt XVI. gegen Franziskus

domradio.de brachte dieses Thema der beiden Päpste vor dem Fußball-Fernsehschirm bereits am Dienstag - lange bevor es in den sozialen Netzwerken zirkulierte. Gestern dementierte Vatikansprecher Lombardi allerdings einen möglichen gemeinsamen TV-Abend im Vatikan: "Emeritus Benedikt XVI. geht stets früh zu Bett ..."


"Gucken zwei Päpste zusammen Fußball ..."

Deutschland und Argentinien - das WM-Finale 2014. Die beiden Päpste, Benedikt und Franziskus, vertreten genau diese Nationen. Und wer weiß, vielleicht werden sie gemeinsam dieses historische Fußballspiel anschauen...

"Gucken zwei Päpste zusammen Fußball..." Bis März 2013 ein echter Witz. Doch seitdem ist vieles möglich geworden im Vatikan - und nach dem unfassbaren 7:1 der deutschen Nationalmannschaft gegen WM-Gastgeber Brasilien fehlt nun nur noch eine klitzekleine Niederlande-Niederlage, dann könnte es zum historischen Shootout kommen: Papst Benedikt XVI., der deutsche Verteidiger, gegen Papst Franz, den Stürmer aus Argentinien. Seiner päpstlichen Schweizergarde hatte Franziskus einen Korb gegeben, als die Argentinier im Achtelfinale gegen die Eidgenossen antraten - um "Krieg zu vermeiden", wie unverbürgt überliefert wurde. Aber ein Finale der Päpste zusammen im Vatikan-Kino? Die Gelegenheit wird es wohl nie wieder geben!

Zwei Päpste, zwei Stile

Oft wird reklamiert, zwischen Franziskus und seinen Vorgänger gehe inhaltlich "kein Blatt". Dabei wird niemand bezweifeln, dass der Stil zu regieren und der Stil zu verkündigen durchaus gewisse Unterschiede aufweisen. So ist auch der Zugang Joseph Ratzingers und Jorge Mario Bergoglios zum Fußball sehr verschieden geraten. Bei Ratzinger: reine Kopfsache. In einer frühen Reflexion über die Fußball-WM 1978 spricht er von einem "Tun, das ganz frei ist, ohne Zweck und ohne Nötigung, und das dabei doch alle Kräfte des Menschen anspannt". Im Heraustreten aus dem versklavenden Ernst des Alltags handele es sich um eine "versuchte Heimkehr ins Paradies", in den "freien Ernst dessen, was nicht sein muss und gerade darum schön ist".

Der Fußball, so der emeritierte Papst, nötige den Menschen, zunächst sich selbst in Zucht zu nehmen, "so dass er durch Training die Verfügung über sich gewinnt, durch Verfügung Überlegenheit und durch Überlegenheit Freiheit". Diese sei dann im Mannschaftsspiel Fußball einzubinden "in das disziplinierte Miteinander, vereint im gemeinsamen Ziel". Es dürfte statthaft sein, das mit Sepp Herberger so zu übersetzen: "Elf Freunde müsst ihr sein!"

Kicken im Herzen von Buenos Aires

Papst Franziskus geht die ontologische Problematik, wie das Runde ins Eckige gelangen kann, anders an. Eher als ein Talentscout, der für seine Mannschaft Straßenkicker sucht: Abräumer, Teamplayer, falsche Neuner. Die Begeisterung dafür liegt tief in seiner Biografie verwurzelt. Der kleine Jorge Bergoglio hat das Kicken noch vor der Theologie gelernt: an der Membrillar Nummer 531, seinem Geburtshaus.

Der Straßenzug in Flores im Herzen von Buenos Aires ist heute die erste Station der sogenannten päpstlichen Stadtführung. Der Musiker Mario Valdez, der 1948 gemeinsam mit Bergoglio die fünfte Klasse besuchte, erzählt: "Rechts, an der Ecke, wo heute ein kleiner Spielplatz ist, da hat der Papst als kleiner Junge jeden Nachmittag gekickt. Literatur und Fußball, das waren seine Leidenschaften - in der Reihenfolge."

Taktiker vor dem Herrn

Dabei behauptet ein weiterer Schulfreund, Nestor Carabajo, der später mit Bergoglio eine Ausbildung zum Chemietechniker machte, der kleine Jorge sei nie ein begnadeter Techniker gewesen, aber dafür schon damals ein Taktiker vor dem Herrn. Gemeinsam spielten die beiden Jungs und diskutierten über Fußball. Oft sei es Bergoglio gewesen, der die Mannschaften aufstellte und die Taktik bestimmte. "Jorge war ein Anführer, immer bescheiden und bestimmt, wie ihn die Welt heute erlebt."

Schon ewig ist Bergoglio, Jahrgang 1936, Anhänger des Stadtclubs San Lorenzo, oder noch genauer: seit dem Meisterjahr 1946 und einem begeisterten Stadionbesuch mit seinem Vater. Bis heute zahlt "Mitglied 88235" per Einzugsermächtigung seine Beiträge, wie Clubvize Marcelo Tinelli versichert.

Deutschland wie Argentinien haben bei Fußball-Weltmeisterschaften schon über zwei Jahrzehnte nicht mehr ganz oben gestanden. Doch auch für den Moment des größtes Triumphes gibt es womöglich eine Parallele zu dem deutschen und dem argentinischen Pontifikat: die Art der Bilder im Kopf. Argentinien, das ist die "Hand Gottes"; das sind die Sololäufe von Maradona und Messi. Und Deutschland? Ein Foulelfmeter von Andy Brehme und ein Kullertor von Oliver Bierhoff. Hummels, Lahm, Neuer und Co haben nun zumindest gegen Fünffachweltmeister Brasilien andere, starke Bilder hinzugefügt.
Domradio.de >>

WM-Finale 2014:
Franziskus und Benedikt schauen nicht zusammen
Deutschland spielt im WM-Finale gegen Argentinien. Schauen Papst Franziskus und sein Vorgänger Benedikt das Endspiel gemeinsam an? Eher unwahrscheinlich, heißt es aus dem Vatikan.
Augsburger Allgemeine >>

Franziskus vs. Benedikt XVI.
Welcher Papst wird am Sonntag Weltmeister?
Deutschland gegen Argentinien – da wird im Vatikan auf jeden Fall gejubelt. Oder nicht? Beistand von oben erhoffen sich beide Teams: Messi und Klose holten sich persönlich den päpstlichen Segen
Bild-Online >>

Wer hat am Sonntag den Papst in der Tasche?
Aberglaube gehört für etliche Fußballfans zum Geschäft. Abendblatt.de listet Umstände auf, die den deutschen Anhängern vor dem Finale am Sonntag Hoffnung machen - oder eben auch nicht.
Hamburger Abendblatt >>


WM-Finale der Päpste
WM-Finale: Deutschland gegen Argentinien. Das ist auch ein Duell der Heimatländer des ehemaligen und des amtierenden Papstes. Deren Verhältnis zum Fußball könnte unterschiedlicher nicht sein: Fußball-Philosoph gegen Straßenfußballer.
Tagesschau.de >>

Hintergrund:
Franziskus und “Der Pfosten Gottes”
Wie der Papst Argentinien zum Sieg gegen die Schweiz verhalf
Katholisch-informiert.ch >>

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